Deutschland ist einer der drei wichtigsten europäischen Crowdfunding Märkte

Die Universität Cambridge hat ihren neuen „Alternative Finance Benchmarking Report“ veröffentlicht. Die Studie ermöglicht einen Vergleich der Crowdfunding-Märkte in der Europäischen Union.

Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding ist eine neue Form von Geldsammeln. Auf gut Deutsch: Schwarmfinanzierung. Ein Unternehmen oder ein Projekt, beispielsweise ein Immobilienprojekt benötigt eine Finanzierung und hat – neben der reinen Bank- bzw. Kreditfinanzierung grundsätzlich auch die Möglichkeit, bei Privatpersonen und institutionellen Investoren Gelder einzusammeln. Dabei ist es Privatpersonen oft auch möglich, sich mit sehr kleinen Summen, z.B. 10 oder 100 Euro, an solchen Maßnahmen zu beteiligen. Dadurch können Unternehmen Gelder einsammeln, ohne dabei noch eine Bank einschalten zu müssen. Das kann eine Win-Win-Situation sein: das Unternehmen kann Geld einsammeln zu günstigeren Zinsen als bei einer eventuellen Bankfinanzierung, muss auch nicht die ganze Bürokratie durchlaufen, die eine Bankfinanzierung mit sich brächte. Privatpersonen, und auch institutionelle Investoren bekommen dadurch Zugang zu solchen Finanzierungen und zu den Zinsen, die ein solches Investment abwerfen kann.

Welche sind die Kernaussagen der Studie?

  • Frankreich, Deutschland und die Niederlande sind die drei größten Märkte für Crowdfunding und Alternative Finance in Europa außerhalb UK.
  • Estland hat das größte Finanzierungsvolumen pro Kopf. Deutschland ist auf dem 14. Platz.
  • Die Geldgeber sind zunehmend institutionelle Investoren, vor allem im Bereich Crowdlending.
  • Mehr als 14.000 Unternehmen profitierten von Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen in Europa, mehr als 1,1 Milliarden Euro wurden in Europa an Unternehmen vermittelt.
  • Deutschland hat ingesamt ein Marktvolumen von 321 Millionen Euro. Dies ist ein Wachstum von 23% in Bezug auf 2015.
  • Crowdlending hat ein Marktvolumen von 181 Millionen Euro, Crowdinvesting von 47 Millionen Euro, hinzu kommt noch das separat ausgewiesene Crowdinvesting für Immobilien in Höhe von 12 Millionen Euro.

Meine Einschätzung

Interessant ist für mich, dass die Niederlande eine relativ großer Crowdfunding Markt ist. Das liegt möglicherweise an der räumlichen Nähe zum englischen Markt. Denn der UK-Markt ist aufgrund der angloamerikanischen Kreditaffinität sicher der mit Abstand größte Crowdfunding Markt in Europa.

Man merkt, dass Crowdfunding zunehmend an Akzeptanz und Volumen gewinnt, wenn ich die Zahlen so auf mich wirken lassen. Überraschend ist für mich etwas, dass Estland ein so großes Finanzierungsvolumen pro Kopf zeigt. Aber das zeigt vielleicht auch die Bereitschaft der Esten, Einkäufe und Konsum zu finanzieren, ähnlich wie die Briten. Die Deutschen mögen das ja nicht so gerne.

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